Das Cabildo de Tenerife steht erneut vor einem alten, politisch sensiblen Thema: der geplanten Privatisierung seiner drei Casinos. Seit Jahren wird darüber gestritten, ob eine öffentliche Verwaltung überhaupt Spielbanken betreiben sollte – nun hat die aktuelle Inselregierung den Verkaufsplan wieder auf die Tagesordnung gesetzt.

Die drei Casinos von Teneriffa
Welche Casinos betroffen sind
Unter dem Dach von „Casinos de Tenerife“ werden drei Spielbanken zusammengefasst, die alle dem Cabildo gehören oder von ihm kontrolliert werden:
- Casino Playa de las Américas in Adeje
- Casino Taoro in Puerto de la Cruz
- Casino Santa Cruz im Hotel Mencey in der Inselhauptstadt
Diese drei Häuser sind eine Besonderheit: Es handelt sich um die letzten Casinos in Spanien, die noch in öffentlicher Hand sind. Für Befürworter des Verkaufs ist das ein Anachronismus, für Kritiker ein Argument, dieses öffentliche Eigentum nicht leichtfertig aufzugeben.
Ein langer Streit: Verkauf seit den 2010er‑Jahren
Die Diskussion ist nicht neu. Bereits seit Mitte der 2010er‑Jahre versucht das Cabildo, sich aus dem Casinogeschäft zurückzuziehen und die Beteiligungen zu verkaufen. Mehrere Anläufe sind gescheitert:
- Zunächst wurde versucht, einzelne Häuser – etwa das Casino Playa de las Américas – separat zu veräußern.
- Später entschied man sich, alle drei Casinos nur noch gemeinsam anzubieten, um das Paket für Investoren attraktiver zu machen.
- In einer Ausschreibung wurden die drei Casinos mit einem Mindestgebot von knapp 25 Millionen Euro angeboten, fanden aber keinen Käufer.
Die Verfahren verliefen im Sande – entweder fanden sich keine passenden Bieter, oder es gab politische und juristische Widerstände.
Umsätze und Gewinne der Casinos
Finanziell stehen die Casinos nicht schlecht da. In den vergangenen Jahren haben sie kontinuierlich Umsätze im zweistelligen Millionenbereich erwirtschaftet, mit klar positivem Ergebnis. Für die kommenden Jahre wird in den Haushaltsplanungen des Cabildo eine weitere Steigerung erwartet.
Nach aktuellen Prognosen soll die Casino‑Gruppe insgesamt einen Jahresumsatz von mehr als 18 Millionen Euro erreichen. Dabei entfallen:
- auf das Casino Playa de las Américas knapp 7,6 Millionen Euro Umsatz,
- auf das Casino Taoro rund 7,5 Millionen Euro,
- auf das Casino Santa Cruz etwa 3,1 Millionen Euro.
Zusammen ergibt dies nicht nur eine beachtliche Umsatzsumme, sondern auch deutliche Gewinne. Vor allem das Casino Taoro und das Casino Playa de las Américas tragen mit Millionenbeträgen zum positiven Ergebnis bei, während das Casino Santa Cruz einen kleineren, aber stabilen Gewinn beisteuert.
Genau dieser Punkt sorgt für zusätzliche Kontroversen: Kritiker fragen, warum eine öffentliche Körperschaft eine gut laufende, profitable Aktivität abgeben sollte – zumal die Gewinne bisher direkt in die Inselkasse fließen.
Die neue Initiative: Verkauf im aktuellen Mandat
Die aktuelle Koalition auf Insel‑Ebene (Coalición Canaria und Partido Popular) hat angekündigt, das Thema in dieser Mandatsperiode (2023–2027) erneut anzugehen. Ziel ist es, die drei Casinos gemeinsam zu veräußern.
Die Begründung der Inselregierung lässt sich in drei Kernargumente fassen:
- Rolle des Staates: Ein öffentliches Organ soll sich auf Kernaufgaben wie soziale Dienste, Infrastruktur, Bildung oder Pflege konzentrieren – der Betrieb von Spielbanken gehört nach dieser Logik nicht dazu.
- Reform des öffentlichen Sektors: Durch den Verkauf soll der öffentliche Unternehmensbereich des Cabildo verschlankt werden, um Schulden abzubauen und Verwaltungsstrukturen zu vereinfachen.
- Finanzielle Spielräume: Die Verkaufserlöse sollen in Projekte mit direktem Nutzen für die Bevölkerung fließen, etwa in den Sozial- und Gesundheitsbereich oder in die sociosanitäre Infrastruktur.
Die Inselpräsidentin hat betont, man wolle den Verkauf ohne Abwertung der Casinogesellschaften vorantreiben, da diese als wirtschaftlich solide gelten.
Was bedeutet der Verkauf für die Beschäftigten?
In den drei Casinos arbeiten insgesamt rund 150 Beschäftigte. Für sie ist die Zukunftsfrage besonders sensibel.
In früheren Ausschreibungen und Beschlüssen wurden in der Regel folgende Punkte festgeschrieben:
- Der Käufer muss den Betrieb fortführen.
- Die bestehenden Arbeitsplätze und Bedingungen sollen im Rahmen des Verkaufs geschützt werden.
Gewerkschaften und Teile der Opposition bleiben skeptisch und befürchten:
- Eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, wenn der Druck auf Rentabilität steigt.
- Umstrukturierungen mittelfristig, etwa Personalabbau oder Auslagerungen.
Die Inselregierung verweist dagegen auf Schutzklauseln und die Möglichkeit, verbindliche Bedingungen in die Ausschreibung aufzunehmen.
Die drei Casinos von Teneriffa
Politische Fronten: Pro und Contra Privatisierung
Die Debatte um die Casinos polarisiert seit Jahren.
Befürworter des Verkaufs argumentieren:
- Das Cabildo soll sich aus Bereichen zurückziehen, die nicht zu den klassischen Aufgaben einer öffentlichen Verwaltung zählen.
- Der Erlös kann direkt in soziale Infrastruktur, Pflegeplätze und andere prioritäre Projekte fließen.
- Ein privater Betreiber kann das touristische Potenzial der Standorte besser ausschöpfen und zusätzliche Investitionen anziehen.
Gegner des Verkaufs halten dagegen:
- Die Casinos sind ein Beispiel für erfolgreiche öffentliche Unternehmen, deren Gewinne der Allgemeinheit zugutekommen.
- Glücksspiel ist ein sensibler Bereich; eine rein gewinnorientierte Führung könnte den Spielerschutz schwächen, falls die Regulierung nicht streng genug ist.
- Der Verkauf öffentlichen Eigentums ist dauerhaft, während die haushaltspolitischen Vorteile nur kurzfristig wirken könnten.
Insbesondere linke Parteien und Bürgerplattformen sehen in der Privatisierung ein falsches Signal, gerade in Zeiten, in denen an anderer Stelle mehr Staat gefordert wird.
Casinos als Teil des Tourismusmodells
Die drei Casinos sind nicht nur Spielstätten, sondern auch Teil des touristischen Angebots der Insel:
- In Playa de las Américas sind sie in eine stark touristisch geprägte Umgebung eingebettet.
- In Puerto de la Cruz spielt das Casino Taoro eine Rolle in der Geschichte des Kur- und Urlaubsortes.
- In Santa Cruz ergänzt das Casino im Hotel Mencey das gehobene Angebot der Hauptstadt.
Die Frage, wer die Casinos betreibt, hat daher auch eine touristische Dimension:
- Ein privater Betreiber könnte neue Konzepte, Veranstaltungen und Kooperationen mit Hotels, Reiseveranstaltern und Kreuzfahrtgesellschaften entwickeln.
- Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass eine Ausrichtung auf zahlungskräftigere Kundschaft die Preise erhöht und die Zugänglichkeit für Teile der einheimischen Bevölkerung einschränkt.
Für Teneriffa stellt sich damit die grundsätzliche Frage, wie das touristische Modell der Insel in Zukunft aussehen soll und welche Rolle Casinos darin spielen sollen.
Die drei Casinos von Teneriffa
Wie geht es jetzt weiter?
Für den aktuellen Mandatszeitraum ist klar: Die Inselregierung möchte den Verkauf politisch umsetzen, sofern die Mehrheiten im Cabildo bestehen bleiben und ein geeigneter Investor gefunden wird. Entscheidend wird sein,
- wie die Ausschreibungsbedingungen im Detail formuliert werden,
- welche Garantien für Arbeitsplätze und Sozialstandards verankert werden,
- und in welche Projekte die Einnahmen tatsächlich fließen.
An den Casinos lässt sich beispielhaft ablesen, wie die Insel das Spannungsfeld zwischen öffentlicher Hand, Privatwirtschaft, Tourismus und sozialen Interessen austariert – und ob ein profitables öffentliches Unternehmen zugunsten kurzfristiger Einnahmen dauerhaft aus der Hand gegeben wird.
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