Die gescheiterte Regulierung: Warum Ferienwohnungs-Gesetze die Wohnungskrise auf Teneriffa verschärfen. Die Wohnungsnot auf Teneriffa hat sich in den letzten Jahren dramatisch zugespitzt. Interessanterweise sind es ausgerechnet die politischen Maßnahmen zur Lösung der Krise, die paradoxerweise die Situation für die einheimische Bevölkerung noch verschlimmern.

Die Wohnungsnot auf Teneriffa ist von der Politik zu verantworten!
Die Regulierung von Ferienwohnungen und der Mietmarkt haben einen Teufelskreis geschaffen, der die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum weiter reduziert.
Die unbeabsichtigten Folgen der Ferienwohnungs-Regulierung
Die kanarische Regierung verabschiedete vor einem Jahr die Ley de Vivienda Vacacional (Ferienwohnungsgesetz), um den touristischen Vermietungsmarkt einzudämmen und mehr Wohnraum für Einheimische freizugeben. Das Gesetz führte jedoch zum gegenteiligen Effekt: Tausende private Eigentümer wurden aus dem Tourismusgeschäft verdrängt, ohne dass die Mietpreise für Langzeitmieten gesunken wären .
Die Asociación Canaria de Alquiler Vacacional (ASCAV) präsentierte kürzlich einen auf offiziellen Daten basierenden Bericht, der belegt: Die Reduzierung der Ferienwohnungen „hat die Situation auf dem Wohnungsmarkt nicht im Geringsten verändert“ . Die Mietpreise sind weiter gestiegen, während das Angebot an verfügbaren Wohnungen zusammengebrochen ist. ASCAV betont, dass das Problem nicht in den Ferienwohnungen selbst liegt, sondern in der mangelnden Mobilisierung leerstehender Wohnungen .
Die Mietgesetzgebung: Ein System, das Vermieter vertreibt
Ein wesentlicher Grund für die Verknappung des Wohnungsangebots ist die spanische Ley de Vivienda (Wohnungsgesetz), die vor drei Jahren in Kraft trat. Die Bilanz ist alarmierend:
- Mieten in Santa Cruz de Tenerife: +36,4% (seit 2023)
- Mieten in Las Palmas de Gran Canaria: +26% (seit 2023)
- Angebotsrückgang: -16% in Santa Cruz, -26% in Las Palmas
Der Präsident der Kanaren, Fernando Clavijo, fordert daher die Abschaffung des staatlichen Wohnungsgesetzes. Er argumentiert, dass die Norm „Hunderttausende von Mietverhältnissen vom Markt vertrieben und den Vermieter schutzlos gemacht“ habe . Die Gesetzgebung schützt Mieter in prekären Situationen, was Vermieter bei Zahlungsausfällen erheblich belastet und sie dazu veranlasst, ihre Immobilien aus dem Mietmarkt zurückzuziehen .
Die Insecurité juridique für Vermieter hat dazu geführt, dass heute doppelt so viele Familien um dieselbe Wohnung konkurrieren wie vor drei Jahren (+103%) . Vermieter stellen zudem immer strengere Anforderungen: unbefristete Arbeitsverträge, hohe Gehälter, Bürgschaften und Zahlungsausfallversicherungen sind oft Pflicht – was insbesondere junge Menschen und Familien mit niedrigem Einkommen ausschließt .
Die Blockade der Zonenregulierung
Während das staatliche Gesetz die Möglichkeit zur Ausweisung von „zonas tensionadas“ (angespannten Wohnungsmärkten) vorsieht, die Mietpreissteigerungen begrenzen würde, weigert sich die kanarische Regionalregierung, diese Maßnahme umzusetzen .
Die Stadt Las Palmas de Gran Canaria bemüht sich seit über anderthalb Jahren um die Ausweisung als solche Zone. Doch die Regionalregierung hat den Antrag bis heute nicht angenommen. Bürgermeisterin Carolina Darias kritisiert: „Das ist keine Glaubensfrage, sondern eine Frage der Rechte“ .
Präsident Clavijo hält die Zonenausweisung für nutzlos, solange das staatliche Wohnungsgesetz nicht reformiert ist . Diese Haltung führt zu einem politischen Stillstand, während die Bevölkerung unter den steigenden Mieten leidet.
Die Perspektive: Warnungen und Forderungen
Selbst der Internationale Währungsfonds hat gewarnt, dass Mietpreisdeckel ohne gleichzeitige Angebotsausweitung kontraproduktiv sind und die Knappheit verschärfen können . Kritiker verweisen jedoch darauf, dass die kanarische Regierung trotz der anerkannten Wohnungsnot auch den sozialen Wohnungsbau vernachlässigt .
Soziale Bewegungen wie „Derecho al Techo“ fordern stattdessen massive Investitionen in öffentlichen Wohnraum, die Besteuerung leerstehender Wohnungen und ein Ende der touristischen Spekulation mit Wohnraum .
Fazit: Die Wohnungskrise auf Teneriffa ist nicht das Ergebnis eines zu lockeren, sondern eines fehlkonstruierten Regulierungsrahmens. Die Ferienwohnungsgesetze haben Angebot reduziert, ohne Preise zu senken, und die Mietgesetze schrecken Vermieter ab, ohne Schutz für Mieter zu bieten. Die Lösung liegt wahrscheinlich in einer Kombination aus Angebotsausweitung und gezielten, nicht kontraproduktiven Regulierungen – doch politische Blockaden verhindern bisher jede wirksame Maßnahme.