Die Umweltgenehmigung für den Plan Director des Flughafens Teneriffa Nord-Ciudad de La Laguna ist erteilt. Das ambitionierte Vorhaben sieht eine deutliche Steigerung der Passagierkapazität vor, stößt jedoch auf erhebliche Widerstände – insbesondere wegen der Lärmbelastung für die Anwohner und ungeklärter Konflikte mit der geplanten Nordbahn.
Flughafen Teneriffa Nord
Die spanische Dirección General de Calidad y Evaluación Ambiental hat den Plan Director des Flughafens Teneriffa Nord (TFN) genehmigt. Die am 13. August 2026 im Boletín Oficial del Estado (BOE) veröffentlichte Entscheidung gibt den Weg frei für eine Reihe von Infrastrukturmaßnahmen, die den Flughafen für eine Zukunft mit bis zu 7,68 Millionen Passagieren pro Jahr rüsten sollen . Im Jahr 2024 wurden rund 6,76 Millionen Passagiere gezählt, 2025 waren es bereits 7,2 Millionen.
Die geplanten Maßnahmen: Kapazität und Modernisierung
Das Genehmigungsverfahren umfasst den vom Betreiber Aena vorgelegten Plan Director. Dieser sieht eine umfangreiche Modernisierung und Erweiterung der Infrastruktur vor, um den steigenden Passagierzahlen gerecht zu werden.
Kernpunkte des Ausbauplans
- Passagierziel: Steigerung von 6,76 Millionen (2024) auf 7,68 Millionen Passagiere.
- Terminal-Ausbau: Vergrößerung der Bereiche für Abfertigung, Sicherheitskontrollen und Gepäckausgabe sowie Verbesserung der Passagierströme. Die Gesamtinvestition für diese Maßnahmen wird auf rund 313,4 Millionen Euro beziffert, wobei ein Großteil (etwa 149 Millionen) im Regulierungszeitraum 2027-2031 (DORA III) investiert werden soll .
- Weitere Infrastruktur: Bau neuer, unterirdischer Parkhäuser, Verbesserung der Zufahrtsstraßen und des Kreisverkehrs am Eingang, Anpassung der Sicherheitszonen (RESA) auf den Landebahnen sowie ein neues Gebäude für die Allgemeine Luftfahrt .
- Intermodalität: Die geplante Verlängerung der Straßenbahnlinie 1 bis zum Flughafen wird als mit dem Ausbau kompatibel angesehen .
Kein grünes Licht für alle Pläne: Gewerbeflächen gestrichen
Die Umweltgenehmigung wurde nicht vorbehaltlos erteilt. Insbesondere zwei ursprünglich geplante Maßnahmen fanden keine Zustimmung und wurden aus dem Plan gestrichen:
- Keine neuen Gewerbeflächen: Die im ursprünglichen Plan vorgesehene Urbanisierung neuer Grundstücke für Geschäfte und kommerzielle Nutzung wurde fallen gelassen. Grund waren zahlreiche Einwände, die auf eine drohende Sättigung der Zufahrtsstraßen und eine Überlastung der Verkehrsknotenpunkte hinwiesen .
- Keine Änderung der Anflugbefeuerung: Auch die geplante Modifikation der Anfluglichter erhielt keine Genehmigung .
Hauptkonfliktpunkt: Lärmbelastung für Anwohner
Der wohl sensibelste Punkt des gesamten Projekts ist die zunehmende Lärmbelastung für die umliegenden Wohngebiete. Die Umweltverträglichkeitsprüfung bestätigt, dass die geplanten Erweiterungen zu einer deutlich größeren Flächenbelastung durch Fluglärm führen werden.
- Betroffene Flächen: Die durch Lärm betroffene Wohnfläche soll von etwa 21,3 auf 38,1 Hektar ansteigen. Auch Flächen mit sozialen Einrichtungen wie Schulen und Gesundheitseinrichtungen sind stärker betroffen .
- Anwohnerproteste: Die Anwohner, organisiert in der „Coordinadora Vecinal de Afectados por el Aeropuerto de Tenerife Norte“, lehnen eine Ausweitung der Betriebszeiten (aktuell 07:00 bis 23:00 Uhr) entschieden ab. Sie fordern die Einhaltung der bestehenden Lärmschutzvereinbarungen und kritisieren die mangelhafte Umsetzung des Schallschutzprogramms für betroffene Haushalte . Der Stadtrat von La Laguna unterstützt diese Forderungen .
- Auflagen: Die Umweltbehörde verlangt daher regelmäßige, unabhängige Lärmmessungen in den betroffenen Gemeinden. Die Ergebnisse könnten zu zusätzlichen Schallschutzmaßnahmen oder neuen Messpunkten führen .
Ungeklärte Konflikte: Der Nordbahn-Tunnel
Ein weiteres, noch ungelöstes Problem ist die räumliche Kollision des geplanten unterirdischen Parkhauses am Flughafen mit dem Trassenverlauf des projektierten Tren del Norte (Nordbahn). Die unterste Ebene des Parkhauses würde in den geplanten Bauraum des Eisenbahntunnels hineinragen.
Die Umweltgenehmigung klärt diesen Konflikt nicht, sondern verweist auf die Notwendigkeit einer Koordination zwischen den verschiedenen Verwaltungen (Staat, Region, Inselrat), um beide Infrastrukturprojekte miteinander vereinbar zu machen.
Auswirkungen auf die Verkehrsinfrastruktur
Der geplante Ausbau des Flughafens findet in einem Spannungsfeld mit den bestehenden und geplanten Verkehrsprojekten der Insel statt :
- TF-5 Ausbau: Die Arbeiten zur Verbreiterung der Autobahn TF-5 auf drei Spuren zwischen Guamasa und dem Flughafen sollen in Kürze beginnen. Dieses 66-Millionen-Euro-Projekt ist eine direkte Reaktion auf die bereits heute bestehenden Verkehrsstaus und soll die Anbindung an den Norden verbessern .
- Ronda Oeste / Circunvalación Oeste: Die Umweltgenehmigung weist auf mögliche Wechselwirkungen mit diesen geplanten Umgehungsstraßen hin und fordert eine Abstimmung der Planungen.
Fazit: Ein Ausbau mit vielen Baustellen
Die Genehmigung des Plan Director ist ein wichtiger Schritt für die langfristige Entwicklung des Flughafens Teneriffa Nord. Sie ermöglicht Investitionen in die dringend benötigte Infrastruktur, um den wachsenden Passagierzahlen gerecht zu werden. Allerdings zeigt das Verfahren auch die komplexen Herausforderungen eines solchen Projekts: Die Lärmbelastung bleibt ein zentraler Konfliktpunkt mit der lokalen Bevölkerung, und die Koordination mit anderen Großprojekten wie der Nordbahn ist noch nicht gelöst. Die eigentlichen Bauarbeiten werden frühestens 2027 beginnen können, da zuvor noch die Projektplanung und weitere Genehmigungsverfahren anstehen .

