Vor neun Jahren berichteten wir bereits https://teneriffa.ro/774/neues-spitzenhotel-in-puerto-de-la-cruz/ über den großen Wurf: Ein neues Luxus-Lifestyle-Hotel der 12.18. Group sollte auf dem Areal des ehemaligen Hotels La Chiripa in Puerto de la Cruz entstehen. Heute, im Jahr 2026, liegt das Projekt brach – und eine Berliner Institution bangt um ihr Investment.
La Chiripa – Was wurde aus dem 5-Sterne-Hotel in Puerto de la Cruz?
Eine Chronologie des Scheiterns
2014 – Der Kauf: Die Lindner Investment Management GmbH (später 12.18. Group) erwirbt das seit 2010 geschlossene Hotel La Chiripa in Puerto de la Cruz . Der Plan: Ein Fünf-Sterne-Lifestyle-Hotel mit 161 Suiten, einer Spa-Villa und einem öffentlichen Park . Das Investitionsvolumen wird mit 35 Millionen Euro beziffert .
2017 – Der Spatenstich: Am 28. September 2017 findet der feierliche erste Spatenstich für den Rückbau statt . Geladene Gäste, darunter Inselpräsident Carlos Alonso, feiern den Meilenstein . Die Fertigstellung ist für 2019 geplant .
2019 – Die große Kooperation: Auf der Expo Real in München wird eine strategische Partnerschaft mit Kempinski angekündigt: Aus dem Projekt soll ein „7Pines Kempinski“ werden, eine neue Luxus-Lifestyle-Marke . Ein Paukenschlag für die Branche.
2021-2023 – Stillstand und Wendepunkte: Das Projekt gerät ins Stocken. Die angekündigte Partnerschaft mit Kempinski zerschlägt sich nach dem Abgang von CEO Martin Smura . Statt des versprochenen Fünf-Sterne-Hotels verwaist das Grundstück.
2024 – Der Verkauf der Betriebe: Die Lindner Hotel Group (LHG) übernimmt den Betrieb von fünf Häusern der 12.18. Group, darunter die bestehenden 7Pines Resorts auf Ibiza und Sardinien . Die 12.18. Group zieht sich aus dem Hotelbetrieb zurück und fokussiert sich auf Immobilienentwicklung und Asset Management .
2025 – Der Markenbruch: Grand Metropolitan Hotels, eine internationale Hotelgruppe, beendet mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit mit der Marke 7Pines . CEO Walter Neumann äußert „erhebliche Zweifel an der Stabilität und Kontinuität der Luxushotelmarke“ . Auch das Flaggschiff auf Ibiza stehe markenfrei zum Verkauf .
2026 – Das Projekt auf Teneriffa: Vom einstigen Luxus-Traum ist nichts geblieben. Das Grundstück in Puerto de la Cruz liegt weiterhin brach. Zwar gibt es aktuell Ferienwohnungen unter dem Namen „La Estrella“ und „La Terraza im La Chiripa“ an der Adresse Calle Bélgica 54 zu mieten, die offenbar in dem Komplex betrieben werden . Vom geplanten Fünf-Sterne-Hotel ist jedoch keine Rede mehr – stattdessen ein Flickenteppich aus privaten Unterkünften.
Der Berliner Zahnarzt-Komplex
Die 12.18. Group gehört zu 50 Prozent der Düsseldorfer Lindner-Familie und zu 50 Prozent dem Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin . Dieses Versorgungswerk, eine Art Pensionskasse für Berliner Zahnärzte, hat erhebliche Summen in die Hotelprojekte der 12.18. Group investiert. Mit dem Scheitern des Teneriffa-Projekts und den Turbulenzen um die Marke 7Pines gerät nun auch diese Kapitalanlage unter Druck. Die Berliner Zahnärzte, die auf eine sichere Altersvorsorge vertrauen, bangen nun um den Wert ihres Investments. Für das bisher nicht abgeschlossene Projekt auf Teneriffa hatte das VZB dem Projektentwickler 28 Millionen Euro geliehen, die wohl futsch sein dürften. Das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) hat nach Schätzungen und Prüfungen infolge riskanter Fehlinvestitionen rund 1,1 bis 1,15 Milliarden Euro verloren. Das entspricht etwa der Hälfte des gesamten einstigen Anlagevermögens von rund 2,2 Milliarden Euro.
Wie konnte es so weit kommen?
Das Scheitern des Luxus-Hotels in Puerto de la Cruz ist das Ergebnis einer unglücklichen Verkettung von Umständen:
- Zu optimistische Planungen: Bereits 2015 war von einer Fertigstellung 2016 die Rede, dann 2019 – kein Termin wurde gehalten .
- Bürokratische Hürden: Die Genehmigungsverfahren auf Teneriffa zogen sich über Jahre hin .
- Strategische Neuausrichtung: Der Rückzug der 12.18. Group aus dem Hotelbetrieb und die Fusion mit der Lindner Hotel Group haben die Prioritäten verschoben .
- Markenchaos: Die gescheiterte Kempinski-Partnerschaft und der spätere Bruch mit Grand Metropolitan zeigen eine fehlende langfristige Markenstrategie .
Fazit: Ein Lehrstück über gescheiterte Hotel-Investments
Aus dem einstigen „Flaggschiff“ für den Tourismus im Norden Teneriffas ist ein trauriges Beispiel für geplatzte Träume geworden. Der Fall der 12.18. Group und ihres 7Pines-Resort-Projekts zeigt, wie schnell aus vielversprechenden Plänen in der Hotellerie Realität werden kann – und wie sehr davon abhängige Kapitalgeber wie das Versorgungswerk der Berliner Zahnärzte unter Druck geraten können. Für Puerto de la Cruz bleibt die Hoffnung, dass sich doch noch ein Investor findet, der die Brache in ein touristisches Highlight verwandelt. Die Zeit drängt.
