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Hans Henningsen: Der Tinerfeño, der Pelé, Maradona und Puma veränderte

Er war der Mann, der im Schatten der größten Fußballstars agierte, die Marketing-Welt revolutionierte und dennoch fast in Vergessenheit geriet: Hans Henningsen. Ein neuer Dokumentar mit dem Titel „El Rey Puma“ (Der Puma-König) holt das außergewöhnliche Leben dieses gebürtigen Tinerfeños zurück ins Rampenlicht – und mit ihm eine faszinierende deutsch-kanarische Familiengeschichte.

Hans Henningsen

Ein Mann aus Santa Cruz, der mit Pelé frühstückte, mit Maradona zu Abend aß und den globalen Fußballmarkt neu erfand. Hier erfahren Sie, wer Hans Henningsen war und warum sein Leben perfekt für die große Leinwand ist.

Die unbekannte deutsche Wurzel eines Weltreisenden

Hans Heinrich Henningsen wurde 1933 in Santa Cruz de Tenerife geboren. Doch seine Wurzeln reichen tief nach Deutschland. Sein Vater, Ernest Henningsen, war ein Deutscher, der Anfang des 20. Jahrhunderts das Rheinland verließ, um in die Welt hinauszugehen. Sein Ziel: die Kanarischen Inseln. Auf Teneriffa arbeitete Ernest als Vertreter einer Kohle-Schifffahrtsgesellschaft und heiratete schließlich die einheimische María del Carmen Sánchez.

Diese deutsch-kanarische Mischung prägte Hans zeitlebens. „Sein Vater kam aus Deutschland, und diese Herkunft war für Hans ein riesiger Vorteil“, erklärt der Dokumentarfilm. Während seiner Karriere sprach er fließend Spanisch, Portugiesisch – und Deutsch. Eine Fähigkeit, die ihm später im erbitterten Markenkampf zwischen Adidas und Puma die entscheidende Tür öffnen sollte.

Vom Club Náutico zum Zuckerhut: Ein Abenteurer bricht auf

Getrieben vom gleichen Entdeckergeist wie sein Vater, packte Hans mit 21 Jahren seine Koffer. Seine Schwester Marlis erinnert sich im Film an den denkwürdigen Tag: 15. April 1954. „Er sagte: ‚Ich gehe nach Brasilien, das ist das Land der Zukunft.‘ Dann ging er. Er weinte nicht, er war entschlossen.“ In Rio de Janeiro angelegt, kämpfte er sich zunächst mit Gelegenheitsjobs durch, um sich seinen Traum vom Journalismus zu erfüllen.

In den brodelnden Nächten von Copacabana knüpfte er Kontakte, die sein Leben verändern sollten. Er wurde zum Freund der größten Fußballer Brasiliens – zu einer Zeit, als Pelé, Garrincha und Co. die Welt eroberten.

Der geniale Coup: Wie Henningsen Puma zum Sieg gegen Adidas führte

Der entscheidende Moment kam 1970. Puma lag im erbitterten „Bruderkrieg“ mit Adidas zurück. Die deutsche Konkurrenz dominierte den Markt. Doch Hans Henningsen hatte einen Plan, der als der kühnste Marketing-Coup in die Geschichte eingehen sollte. Er überredete Pelé, den besten Spieler der Welt, einen Vertrag mit Puma zu unterschließen – obwohl es ein stilles Abkommen gab, die Stars nicht abzuwerben.

Noch genialer war die Umsetzung: Vor dem Viertelfinale Brasilien gegen Peru bei der WM in Mexiko kniete sich Pelé vor laufenden Kameras (die erste Live- und Farb-TV-Übertragung einer WM) demonstrativ hin, um sich die Schuhe zu binden. Millionen Zuschauer sahen die King Puma-Schuhe in Großaufnahme. Ohne einen Cent für Werbung auszugeben, katapultierte Henningsen Puma über Nacht an die Weltspitze. „Von Unschuld keine Spur“, schreibt die Presse – es war reine Meisterschaft.

Maradona, Menotti und der Abstieg eines Genies

Doch Henningsen hörte nicht auf. 1978 wiederholte er das Kunststück mit der argentinischen Nationalmannschaft. Neun der elf Spieler im WM-Finale trugen Puma – dank des Einflusses von „Hans“, der zum engen Vertrauten von Trainer César Menotti geworden war. Kurz darauf kümmerte er sich um ein unbekanntes Talent aus Villa Fiorito: Diego Maradona. Für nur 100 Dollar im Monat sicherte er „El Pibe“ an Puma – eine Investition, die sich später millionenschwer auszahlte.

Doch die Ära endete, als Nike mit Michael Jordan den Markt eroberte. 1989, mit 56 Jahren, wurde Hans Henningsen von Puma fallen gelassen. Ein Schock, von dem er sich nie wirklich erholte. Er zog sich zurück, umgeben von seinen Enkeln in Rio, wo er 2015 starb.

„El Rey Puma“: Ein Dokumentar erinnert an den vergessenen Tinerfeño

Die Produktionsfirma Mediareport (Teil von Prensa Ibérica) hat sich gemeinsam mit Radio Televisión Canaria (RTVC) diesem einzigartigen Stoff angenommen. Gedreht wurde in Brasilien, Argentinien, Deutschland, Madrid – und natürlich auf Teneriffa. Regisseur Fernando Ureña sammelte über 20 Zeitzeugen, darunter Familienmitglieder, ehemalige Weggefährten und Fußballlegenden.

Der Film zeigt einen Mann, der „mehr Zeit im Flugzeug als zu Hause verbrachte“, der mit Henry Kissinger und Tangostars wie Amelita Baltar verkehrte – aber nie seine Insel vergaß. Die Uraufführung fand am 19. April 2026 im Auditorio de Santa Cruz de Tenerife statt.

Wer hätte gedacht, dass die Idee, die den modernen Fußball-Marketing-Zirkus erst erfand, einst in den Köpfen eines deutschstämmigen Tinerfeños am Club Náutico heranreifte?

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